Ein Tag der Schweizer Qualität mit Weitblick

Am 13. Mai 2025 fand in Bern der traditionelle Tag der Schweizer Qualität statt. Das Motto lautete: „Mit Weitblick durchstarten“. Der wiederum gut besuchte Anlass bildete zudem den Startschuss zum 60-Jahr-Jubiläum der SAQ.

Leila Schwab im Gespräch mit Moderatorin Andrea Vetsch. Sie zeigte, wie eine Unternehmensorganisation mit Weitblick aufgebaut werden kann. (Bild: Thomas Berner)

Nicht wie gewohnt im Berner Kursaal, sondern im Kongresszentrum der BERNEXPO fand der diesjährige Tag der Schweizer Qualität statt. Der durch die SAQ Swiss Association for Quality durchgeführte Anlass bot wiederum eine vielfältige Themenpalette, getragen durch das Motto „Mit Weitblick durchstarten“. Mit dem Anlass startete die SAQ ins Jahr ihres 60-jährigen Bestehens. Was vor sechs Jahrzehnten mit der Arbeit einiger unentwegter Qualitäts-Spezialisten begann, hat sich zu einer schweizweit starken Organisation entwickelt, welche inzwischen für viele Branchen neue Standards setzen konnte.

Weitblick in Unternehmensführung und Sicherheit

Das Tagungsmotto fast schon wörtlich nehmen konnte man bei den Ausführungen von Leila Schwab, Vorsitzende von Village Élargi. Dahinter steht eine Holding, die aus der Diversifizierung des Holzbau-Unternehmens Schwab-System entstanden ist. Inzwischen gehören auch Firmen im Bereich 3D-Scanning, Beratung oder gar Game-Entwicklung dazu. Leila Schwab skizzierte die Möglichkeiten, die eine derart «erweiterte Welt» bietet: Bereichsübergreifende Projekte, bessere Berücksichtigung der Kompetenzen von Mitarbeitenden (Architekten können auch Rätsel-Entwickler oder Marketingverantwortliche sein) und auch flexible Arbeitszeit-Modelle. So ist etwa die 4-Tage-Woche etabliert oder Mitarbeitende haben pro Woche drei «Wohlfühl-Stunden» zu gut. Die Resultate: Höhere Zufriedenheit beim Personal, mehr Zeit für die Familie und nicht zuletzt ein wirksames Mittel, um als Arbeitgeber attraktiv zu sein.

In seinem anschliessenden Referat zeigte Dr.-ing. Bruno G. Rüttimann von inspire AG, dass Lean Six Sigma alles andere als ein „abgehalftertes System“ ist. Er wies darauf hin, dass viele Unternehmen das System, welches von Toyota etabliert worden ist, nicht in seiner Gänze richtig verstehen. Vieles bleibe Stückwerk; es genüge nicht, sich einzig auf die Vermeidung von «muda» (japanisch für «Verschwendung») zu fokussieren. Vielmehr müsse Lean als eine Kaizen-basierte Just-in-Time-Fertigung verstanden werden. Hart ins Gericht ging Rüttimann dabei auch mit Konzepten von Smart Factory und Automatisierung bzw. Digitalisierung. «Wer ein leistungsschwaches System automatisiert, erhält einfach ein automatisiertes leistungsschwaches System». Seinen Vortrag beendete er vor dem Hintergrund der rasanten technologischen Entwicklung mit dem Aufruf: «Bevor wir lernen zu fliegen, müssen wir lernen zu laufen. Denn wir kriechen noch.»

Weitblick braucht es auch beim Thema Sicherheit. Hierzu unterhielt sich Moderatorin Andrea Vetsch mit Martin von Muralt, Delegierter Bund und Kantone beim Sicherheitsverbund Schweiz (SVS). Er sieht in Gegenwart und Zukunft drei grosse Herausforderungen für die Sicherheit: Erstens die Kombination von Klimawandel mit geopolitisch instabiler Lage und Migration, zweitens die Verwundbarkeit von kritischen Infrastrukturen und drittens die gesellschaftliche Polarisierung infolge von Informations-Bubbles. Das alles allein schon macht das Krisenmanagement schwierig. In der Schweiz kommt noch ihre föderale Struktur hinzu. «Behörden müssen bürgernah und transparent sein. Das schafft Vertrauen. Denn ohne Vertrauen kann keine Krise gemanagt werden», so Martin von Muralt. Auch das Thema Cybersicherheit wurde angesprochen. Die Gewährleistung von Cybersicherheit sei keine Frage der Technik, sondern eine Führungsaufgabe, so von Muralt.

Von Mut, Nachhaltigkeit und KI-Mittelmass

Marc Hauser, Unternehmer und Fallschirmspringer, berichtete in einem mitreissenden Vortrag über sein Abenteuer, mit dem Jetstream mitzufliegen. Dabei erzählte er von seinen umfangreichen Vorbereitungen auf diesen Sprung, der am Schluss aus einem Ballon aus 7600 m Höhe gelang. Dass dabei der Brenner des Heissluftballons zeitweise ausfiel und sich der Kinnriemen seines Helms nicht schliessen liess, machte das Gelingen des Unterfangens umso spektakulärer. Dem Publikum gab Marc Hauser den Tipp, sich auch mal höhere Ziele zu setzen, denn: «Realistische Ziele sind Eigentore».

Davide Mastrodomenico erläuterte die Chancen von Re-Manufacturing und Upcycling von Möbeln – natürlich sitzend auf entsprechend „aufgemöbelten“ Sofas. (Bild: Thomas Berner)

In einem weiteren Talk ging es um Re-Manufacturing und Upcycling von Möbeln: Davide Mastrodomenico von Girsberger AG berichtete über verschiedene Projekte, wie Möbel aufbereitet werden können, damit sie wieder „wie neu“ eingesetzt werden und somit ein zweites Leben erhalten. Dass der Markt dafür sehr gross ist, zeigt der Umstand, dass in der Schweiz jährlich für 150 Millionen Franken Stühle verkauft werden. Wenn deren Qualität stimmt, lassen sie sich auch wieder erneuern. Dies könne im Vergleich zu einer Neubeschaffung rund 50 Prozent Kosten sparen, rechnete Mastrodomenico vor. Die eigentliche Königsdisziplin ist aber das Upcycling. Da werden aus ausgedienten Abfalleimern schon mal stylische Office-Möbel kreiert, sogar ausgerüstet mit Steckdosen. «Upcycling kann die Branche der Zukunft werden», so Davide Mastrodomenico mit Verweis darauf, dass wohl in vielen Unternehmen eine Menge an nicht mehr genutztem Büromobiliar herumsteht.

Den Schlusspunkt bildete Patrick Karpiczenko, Komiker, Filmproduzent und Dozent für Künstliche Intelligenz, mit seinen humorvollen Beispielen, was heute mit KI möglich ist bzw. eben nicht. Er zeigte dabei, wie man mit dem KI-generierten Mittelmass einen Umgang finden kann und wies damit darauf hin, dass immer noch der Mensch entscheiden muss, wann «gut genug» wirklich ausreicht.

Vielfältige Qualitätswelt

Impression aus dem Workshop mit Eishockey-Schiedsrichter Daniel Stricker, hier im Gespräch mit Susan Čonka von SAQ Qualicon. (Bild: Thomas Berner)

Weitere Programmpunkte waren Elevator Pitches der ausstellenden Firmen sowie vier Workshops, wo zum einen neue und bewährte Wege im Qualitätsmanagement thematisiert, zum anderen auch das Thema «Upcycling» weiter vertieft wurde anhand eines aktuellen Business-Cases. Spannend auch die Analogie von Schiedsrichter und Qualitätsmanager: Beide müssen sie Regeln durchsetzen und zuweilen auch mal die Rote Karte zeigen, sprich: Unpopuläre Massnahmen treffen. Nicht zuletzt bildete die KI einen weiteren Schwerpunkt. Denn dank des Einsatzes von KI in Managementsystemen lassen sich Effizienzgewinne von bis zu 50 Prozent ermöglichen, wie anhand von Beispielen demonstriert wurde.

Der nächste Tag der Schweizer Qualität findet am 21. April 2026 statt – als Schlusspunkt des 60-Jahr-Jubiläums der SAQ.

www.tsq.swiss

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