Infrastruktur am Wendepunkt: Fünf Prognosen
Im Jahr 2026 werden diejenigen Unternehmen erfolgreich sein, die Infrastruktur nicht nur als Kostenfaktor betrachten, sondern als strategische Grösse. Energieversorgung, Widerstandsfähigkeit, Souveränität und Nachhaltigkeit sind nicht mehr nur Themen für den Hintergrund, sondern stehen in irgendeiner Form für jedes Unternehmen weit vorn, glaubt Bruce Owen, President, EMEA, von Equinix.

Im vergangenen Jahr hat sich die weltweite Wahrnehmung von Rechenzentren gewandelt. Datacenter, insbesondere Colocation-Rechenzentren, sind nicht mehr nur Anbieter von Fläche, sondern unverzichtbare Wegbereiter und strategische Partner, die den kontinuierlichen Fluss von Daten und Energie sicherstellen, damit die Welt weiter funktioniert. Die grössten Herausforderungen für die Technologie im Jahr 2026 werden indes nicht in der Cloud oder im Code liegen, sondern in den physischen Strukturen, die Unternehmen und die Wirtschaft unterstützen.
Vor diesem Hintergrund bestehen fünf Trends, die sich nach Meinung von Bruce Owen, President, EMEA, des Rechenzentrum-Betreibers Equinix, im Laufe des kommenden Jahres abzeichnen werden:
1. Um das Potenzial der KI im Finanzwesen auszuschöpfen, muss zunächst das Problem der Leistungsdichte (Density) gelöst werden
«Im Jahr 2026 ist das Versprechen der KI im Finanzdienstleistungsbereich nicht mehr nur eine Vision. Aber ohne die richtige Infrastruktur werden selbst die fortschrittlichsten Modelle unwirksam. Die Fähigkeit der Branche zur Bereinigung und Strukturierung riesiger Mengen historischer Finanzdaten, hängt von Hochleistungs-Computing-Umgebungen ab, die moderne GPU-Workloads unterstützen können. Finanzunternehmen müssen nun der Leistungsdichte und der Modernisierung ihrer Infrastruktur Priorität einräumen – nicht als Zukunftsvision, sondern als Notwendigkeit, um sicherzustellen, dass KI ihr Potenzial ausschöpft und für ihre Kunden sinnvolle Ergebnisse liefert.»
2. In einer digitalisierten Welt ist Resilienz die neue Grundvoraussetzung
«Colocation-Rechenzentren wie die von Equinix spielen eine zentrale Rolle bei der Konnektivität und bieten die Ausfallsicherheit und Redundanz, die Unternehmen dabei helfen, Probleme zu minimieren, die sich auf den von ihren Kunden erwarteten Service auswirken könnten. Da digitale Infrastruktur für Unternehmen immer wichtiger wird, ändern sich die Regeln und Vorschriften, um sicherzustellen, dass diese Infrastruktur robust und zuverlässig ist. Im Jahr 2026 müssen wir zeigen, dass Resilienz die Grundlage und nicht das Maximum ist und dass sie der einzige Weg ist, um den Ruf einer Marke in einer schnelllebigen, digitalisierten Wirtschaft zu schützen.»
3. Souveräne Daten erfordern ein globales Ökosystem
«Equinix hilft dabei, Einschränkungen beim Datenaustausch zu überwinden. Durch unsere globale Plattform und unsere Interconnection-Fähigkeiten unterstützen wir Organisationen z.B. im Gesundheitswesen und in den Biowissenschaften beim Aufbau einer Infrastruktur im jeweiligen Land, sodass sie vor Ort auf sensible Daten zugreifen und diese verarbeiten können. Dies schützt globale Forschungsaktivitäten und gewährleistet gleichzeitig die Einhaltung der Gesetze zur Datenhoheit. In der Praxis verkürzt diese Vernetzung von Rechenumgebungen die Zeit, die Pharma- und Biotech-Unternehmen für die Entwicklung neuer Medikamente benötigen, erheblich. Was früher 10 bis 14 Jahre und Milliarden von Dollar gekostet hat, kann nun um Monate oder sogar Jahre verkürzt werden. Die erfolgreiche Strategie für 2026 wird ein robustes Hybridmodell sein, das globales Datenlernen ermöglicht und gleichzeitig die lokale Datenhoheit bewahrt. Die Integrität dieser global-lokalen Datenökosysteme kann den Unterschied zwischen einem neuen Heilmittel und einem verzögerten Projekt ausmachen.»
4. Die nächste Welle der KI ist agentenbasiert
«Bei Equinix sind wir davon überzeugt, dass die nächste grosse Welle die agentenbasierte KI sein wird – eine Intelligenz, die in der Lage ist, echte Massnahmen zu ergreifen und nicht nur Inhalte zu generieren und nachzuahmen. Dieser Wandel wird die Inferenz von Gesprächen rasch vorantreiben und Workloads von riesigen zentralen Clustern zu Echtzeitmodellen verlagern, die näher am Einsatzort liegen.
Hier knüpft der Wandel direkt an die KI-Wissenslücke an, zu der wir kürzlich eine Studie in Auftrag gegeben haben: Wir wissen, dass die Öffentlichkeit Vertrauen in KI hat, doch nur wenige Menschen sind sich bewusst, wie oft sie KI in ihrem Alltag nutzen. Diese Lücke zu schliessen, ist wichtig. Denn nur wenn die Menschen verstehen, wie KI bereits eingesetzt wird, können wir als Gesellschaft wirklich damit beginnen, die vielfältigen Möglichkeiten zu erkunden, wie sie für Innovationen und Fortschritt genutzt werden kann, und was dafür erforderlich ist, um dies zu erreichen.
Mit Blick auf die Zukunft wird Quantencomputing der nächste Schritt nach KI sein, wenn wir sein volles Potenzial ausschöpfen können. Diese neue Technologie zieht erhebliche öffentliche und private Investitionen an, wobei die Unternehmen im Bereich der Quanten-KI von solchen, die sich noch in der Forschungsphase befinden und Tests mit Endnutzern durchführen, bis hin zu solchen reichen, die bereits eine Skalierung anstreben.»
5. Die Führungsrolle Europas wird durch Nachhaltigkeit definiert werden
«Für europäische Kunden müssen wir nicht nur Effizienzstandards erfüllen, sondern auch konkrete Roadmaps bereitstellen, die es der Unternehmensleitung ermöglichen, ihre eigenen ESG (Environmental, Social, Governance)-Ziele zu erreichen. Die Fähigkeit von Equinix, über Energieeffizienz zu sprechen, ist nicht nur eine Umweltbotschaft, sondern ein strategisches Instrument zur Sicherung des europäischen Geschäfts, und dies wird auch 2026 weiterhin eine Priorität sein.»
Quelle: Equinix


