Glücksministerin im Einsatz für eine menschlichere Zukunft
Gina Schöler wirkt als Glücksministerin in ganz Deutschland und setzt Impulse für mehr seelisches Wohlbefinden. Im Interview mit der SAQ Swiss Association for Quality spricht sie über Menschlichkeit, die Kraft kleiner Impulse und die Magie des Alltags.

Gina Schöler, wie glücklich sind Sie aktuell auf einer Skala von 1 bis 10?
Aktuell liegt mein Glück bei etwa 6,8. Zwischen Familie, Beruf und persönlicher Entwicklung ist vieles erfüllend, aber auch fordernd. Mein Mann und ich nehmen uns bewusst Zeit für ehrliche Gespräche. Das gibt Halt. Beruflich freue ich mich auf Projekte wie die Neuauflage meines Buchs und ein Schulprogramm für Teambuilding. Auch Themen wie die Gesundheit meiner Eltern oder mein Fernweh beschäftigen mich. Ich geniesse die Höhen und halte den Tiefen stand.
Was hat Sie persönlich dazu bewogen, das Ministerium für Glück und Wohlbefinden ins Leben zu rufen?
Die Idee entstand 2012 im Rahmen meines Masterstudiums als Antwort auf die Frage, wie Kommunikation gesellschaftlichen Wandel anstossen kann. Daraus wurde eine Herzenssache. Ich wollte meine Kreativität und meine Freude am Umgang mit Menschen für etwas Sinnvolles einsetzen.
Sind die Menschen heute glücklicher als zur Zeit der Gründung des Glücksministeriums vor 14 Jahren?
Die Welt ist heute schneller, komplexer und belastender als damals. Viele Menschen sind mental erschöpft, doch das Bewusstsein für seelisches Wohlbefinden wächst. Sorgen bereitet mir die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen. Hier fehlt es an klaren politischen Reaktionen.
Wie gehen Sie mit Ihrer öffentlichen Rolle um, wenn Sie selbst gerade weniger glücklich sind?
Authentizität ist mir wichtig. Ich spiele nichts vor und stehe auch zu schwierigen Momenten. Offenheit schafft Vertrauen, Nähe und echte Verbindung. Ob im Workshop oder auf der Bühne, ich teile Erlebnisse und nehme mich selbst nicht zu ernst.
Was steht dem persönlichen Glück im Alltag am meisten im Weg?
Viele verlieren in der Schnelllebigkeit den Blick für das, was wirklich zählt, und funktionieren nur noch, statt zu fühlen. Perfektionismus, ständiger Vergleich und Leistungsdruck stehen dem Glück im Weg. Wer sich selbst nicht kennt, nicht weiss, was guttut oder fehlt, bleibt oft innerlich leer. Und wo echte Verbindungen fehlen, fehlt auch das Gefühl von Zugehörigkeit.
Gab es eine Begegnung oder einen Moment in Ihrer Arbeit, der Ihre Sicht auf Glück besonders geprägt hat?
Es gab viele Begegnungen, die mich tief geprägt haben. Glück zeigt sich individuell und oft in kleinen Momenten. Eine ausgebrannte Mutter, die sich nach meinem Vortrag Hilfe sucht. Ein Manager, der gerührt vor Publikum weint. Oder das Kennenlernen von Menschen aus Bhutan, die überzeugt am Bruttonationalglück arbeiten. Solche Erlebnisse geben meiner Arbeit Tiefe und Sinn.
Was bedeutet Qualität für Sie ganz persönlich, jenseits von Normen und Kennzahlen?
Für mich bedeutet Qualität, dass etwas echt ist und Bestand hat. Etwas, auf das man sich verlassen kann, das individuell passt und nicht austauschbar ist. Qualität zeigt sich für mich in Authentizität.
Der diesjährige Slogan des Tags der Schweizer Qualität lautet «Qualität für die Zukunft: nachhaltig. digital. menschlich.». Welche Bedeutung kommt dem Thema Glück in diesem Kontext zu?
Glück ist ein zentraler Bestandteil von Qualität für die Zukunft. Es beginnt damit, sich der eigenen Werte bewusst zu werden und die eigenen Talente sinnvoll einzusetzen. So entsteht Wirkung im persönlichen wie im beruflichen Leben. Echte Menschlichkeit ist die Grundlage für all das. Sie zeigt sich im Miteinander, in Offenheit, Wohlwollen, Transparenz und Zusammenhalt.
Was möchten Sie mit dem Ministerium für Glück und Wohlbefinden in den nächsten Jahren noch gesellschaftlich bewirken?
Ich möchte das Thema Glück noch stärker in der Bildung und Arbeitswelt verankern. Ein neues Schulformat zu Teambuilding und Toleranz soll 2026 starten. Auch im Austausch mit Führungspersonen will ich Räume schaffen für Inspiration, Vernetzung und Reflexion. Glück ist keine Nebensache, sondern eine zentrale Grundlage für unsere Gesellschaft.
Was liegt Ihnen bei Ihrem Auftritt am Tag der Schweizer Qualität 2026 besonders am Herzen?
Mir ist wichtig, die Menschen zu berühren und zum Nachdenken zu bringen. Sie sollen nicht nur zuhören, sondern erleben, staunen und etwas mitnehmen. Durch Emotion und Interaktion entstehen Momente, die bleiben. Und vor allem möchte ich zeigen, dass jede und jeder etwas bewegen kann.
Abschliessend: Was gibt Ihnen im Moment Kraft und Zuversicht für die Zukunft?
Kraft geben mir mein Bauchgefühl und mein Tatendrang. Sie haben mich schon oft weitergebracht. Die Lebensfreude meiner Kinder steckt an. Halt finde ich in meinem Umfeld aus Familie, Freundschaften, Kolleginnen und Kollegen sowie einer grossartigen Community. Zuversicht schöpfe ich auch aus der nächsten Generation und ihren Ideen für ein gutes Leben. n
Zur Person
Gina Schöler bringt mit ihrem «Ministerium für Glück und Wohlbefinden» seit 14 Jahren Themen wie Glück, Zufriedenheit und seelische Gesundheit auf kreative und alltagsnahe Weise in Unternehmen, Ministerien und auf Bühnen. Ihr Ziel ist es, das Bruttonationalglück zu stärken und den gesellschaftlichen Wandel mitzugestalten.
Tag der Schweizer Qualität 2026
Gina Schöler tritt am 21. April 2026 am Tag der Schweizer Qualität in Bern auf. Die diesjährige Veranstaltung steht unter dem Motto „Qualität für die Zuknft: Nachhaltig. Digital. menschlich.“ Weitere Informationen und Anmeldungen: www.tsq.swiss



