Bank- und Finanzdienstleistungen: 6 Trends für 2026
Wirtschaftliche Unsicherheiten, regulatorische Weichenstellungen sowie der rasante Fortschritt in der Digitalisierung und künstlichen Intelligenz prägen die Transformation der Branche. Nando Freyberg, Senior Strategic Relationship Manager bei Dun & Bradstreet, hebt sechs Trends hervor, die den Sektor transformieren werden.

2026 entwickelt sich für den Banken- und Finanzdienstleistungssektor zu einem entscheidenden Jahr. Die Herausforderungen reichen von steigendem Margendruck und Cyberrisiken bis hin zur unternehmensweiten KI-Einführung. Dazu kommen verbesserte Datenqualität, regulatorischer Beschleunigung und steigender Nachfrage nach Echtzeit-Daten, sowie personalisierten und vertrauenswürdigen Dienstleistungen. Nando Freyberg von Dun & Bradstreet nennt sechs Trends, die für die Branche wichtig werden.
1. Margendruck und die Suche nach neuen Einnahmequellen
Anhaltend niedrige Zinssätze und wirtschaftliche Volatilität drücken die Nettozinsmargen und zwingen die Banken zur Diversifikation. Gebührenbasierte Dienstleistungen wie Zahlungen, Vermögensverwaltung und Beratung gewinnen an Bedeutung, während Plattform‑Banking und eingebettete Finanzen neue Wachstumswege eröffnen. Die Gewinner werden diejenigen sein, die fortschrittliche Analysen und saubere, strukturierte Daten nutzen, um Chancen zu identifizieren, Kunden zu segmentieren und strategische Diversifikation zu unterstützen.
2. Cyber- und Resilienzrisiken: Aufbau robuster Abwehrmechanismen
Mit neuen Vorschriften wie DORA in der EU und verschärften Regeln im Vereinigten Königreich rücken digitale Resilienz sowie das Management von Drittanbieter-Risiken verstärkt in den Fokus. Laut unserer Umfrage nennen 91 Prozent der Führungskräfte im Bereich Finanzdienstleistungen und Versicherungen Cyber und Betrug als ihre größten Bedrohungen, und die meisten haben negative Auswirkungen durch Risiken Dritter erlitten. Banken müssen Echtzeit-Risikoinformationen und Lieferantenbewertungen integrieren, die auf regionale Feinheiten zugeschnitten sind – wie etwa Deutschlands Fokus auf Immobilienrisiken und IT-Sicherheit –, um operative Kontinuität und regulatorische Einhaltung sicherzustellen.
3. KI im großen Massstab: Vom Pilotprojekt zur Transformation des gesamten Unternehmens
KI befindet sich an einem Wendepunkt. 2026 markiert den Übergang von isolierten Pilotprojekten hin zur unternehmensweiten Transformation. Banken setzen zunehmend KI-Agenten für prädiktive Analysen, Risikomanagement und die Automatisierung des Kundenservice ein. Allerdings fehlen 64 Prozent der Unternehmen Entscheidungsdaten, und über die Hälfte hat erlebt, dass KI-Projekte aufgrund schlechter Datenqualität gescheitert sind. Dies unterstreicht, dass ohne eine solide Datengrundlage selbst die beste KI- und ehrgeizigsten Transformationsbemühungen scheitern. Der Erfolg hängt von einer vertrauenswürdigen Datenbasis ab: nachvollziehbare Datenherkunft und Richtlinienkontrollen, um Erklärbarkeit und regulatorische Konformität sicherzustellen.
4. Datenqualität und Open Finance: Die neuen Wettbewerbsvorteile
Daten bilden die Grundlage für die Transformation. Banken investieren in moderne Datenplattformen, aber grundlegende Probleme bestehen fort: Über die Hälfte (55 Prozent) misstraut ihren internen Datensätzen, und viele kämpfen mit Silos und Duplikaten (52 Prozent). Neue Open-Finance-Regeln – wie die Financial Data Access Regulation (FiDA) der Europäischen Kommission, die 2026 in Kraft tritt, und der UK Data (Use and Access) Act 2025 (DUAA) – werden es Kunden ermöglichen, Daten zu teilen, was massgeschneiderte Angebote und Cross-Selling-Möglichkeiten ermöglicht. Saubere, interoperable Daten sind entscheidend, um Modelldrift zu vermeiden – also Situationen, in denen Entscheidungen im Laufe der Zeit ungenauer werden, weil veraltete Daten und Fehlzuordnungen die KI‑gestützte Personalisierung beeinträchtigen.
5. Beschleunigte Regulierung und Compliance als Strategie
Das Tempo regulatorischer Veränderungen nimmt zu: Neue Anforderungen an die operationelle Resilienz sind 2025 in Kraft getreten und bleiben weiterhin ein zentraler Schwerpunkt für Banken. Zudem gelten strengere Standards für KI-Governance und die Regulierung von Sofortzahlungen schreitet voran. Von den Instituten wird erwartet, dass sie ihre kontinuierliche Compliance nachweisen, während sich diese Rahmenwerke weiterentwickeln. Compliance wird zu einem strategischen Vorteil, da automatisierte Echtzeitüberwachung und -berichterstattung in Technologie und Betriebsmodelle integriert sind. Banken, die Compliance-Dashboards und regulatorische Risikoanalysen einsetzen, sind besser in der Lage, Veränderungen vorherzusehen und darauf zu reagieren.
6. Kundenerwartungen: Reaktion in Echtzeit, personalisiert und vertrauenswürdig
Kundenloyalität wird durch drei Kräfte verändert: den Wechsel zu mobilen Kanälen, den Aufstieg von Fintech-Innovatoren und wachsende Erwartungen an Transparenz. Zusammen treiben diese Trends die Nachfrage nach Sofortzahlungen, nahtlosen digitalen Erlebnissen und personalisierten Dienstleistungen an. Um Schritt zu halten, müssen Banken Omnichannel-Engagement und datenbasierte Personalisierung priorisieren. Dennoch zeigen Herausforderungen bei der Kundenbindung und ein langsames, manuelles Onboarding, dass ein Bedarf an sofortiger Verifizierung und vertrauenswürdigen Identitätsdaten besteht. Beides beschleunigt Transaktionen und stärkt das Vertrauen der Kunden. Die Erfüllung dieser Anforderungen hängt von hochwertigen Daten und der Umsetzung der Einhaltung durch Live-Dashboards, Echtzeit-Datenprüfungen und transparente Identitätsprofile ab. Dadurch können Banken Compliance von einer Einschränkung in eine Vertrauensquelle verwandeln.
Quelle: Dun & Bradstreet



