Preis-Leistung und Regionalität entscheiden über die Energieversorger von morgen

Der EVU-Atlas von YouGov Schweiz zeigt ein Stimmungsbild zu Wahrnehmungen, Marktmechanismen und Erwartungshaltungen in der Energiebranche. Preissteigerungen, geopolitische Spannungen und die anhaltende Diskussion um eine vollständige Marktöffnung haben die Aufmerksamkeit für die Branche erhöht und die Erwartungen der Bevölkerung verändert, so ein Fazit.

Wie verändert sich der Schweizer Strommarkt? Der EVU-Atlas von YouGov zeigt die Sicht der Stromkunden. (Bild: Unsplash.com)

Der neue EVU-Marktatlas von YouGov Schweiz (früher bekannt als LINK Marketing Services AG), basierend auf über 18’000 Befragten aus den Jahren 2021, 2023 und 2025, untersucht, wie die Bevölkerung die 29 grössten Energieversorger der Schweiz wahrnimmt, und worauf es bei einer möglichen Anbieterwahl ankäme. 

Mediale Sichtbarkeit bei den Grossen – lokale Verankerung bei kleinen EVU

Die Ergebnisse zeigen eine bemerkenswerte Stabilität der Bekanntheit: Nationale Anbieter wie Axpo oder Alpiq bleiben im Bewusstsein präsent, obwohl sie keine Privatkundschaft beliefern, während grosse regionale Energieversorgungsunternehmen (EVU) wie BKW, EKZ, IWB oder CKW ebenfalls hohe Sichtbarkeit geniessen. Kleinere Anbieter bleiben lokal verankert, während gezielte Kommunikation bei mehreren EVU zu spürbaren Steigerungen geführt hat.

Die Regionalitätswahrnehmung bleibt ein emotional wichtiger Faktor und zeigt deutlich, wie stark sich viele Schweizerinnen und Schweizer mit ihrem lokalen Anbieter identifizieren. EVU wie SAK, Elektra Baselland oder EKS Schaffhausen erhalten hier besonders hohe Werte. In der Westschweiz zeigt sich eine deutlich höhere Volatilität, was auf eine stärkere Reaktion der Bevölkerung auf politische und preisbezogene Debatten hinweist. Noch dynamischer entwickelt sich die Wahrnehmung der Preis-Leistung, die sich zwischen 2023 und 2025 bei mehreren EVU deutlich verbessert hat, während nationale Anbieter weiterhin klar zurückliegen. 

Preis-Leistung und regionale Verankerung sind grösste Treiber der Consideration 

Ein zentrales Ergebnis des statistischen Modells von YouGov Schweiz ist, dass unter den erhobenen Merkmalen vor allem zwei Faktoren die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass ein EVU in die engere Wahl kommt: die wahrgenommene Preis-Leistung und die regionale Verankerung. Beide zeigen einen klaren und statistisch robusten Zusammenhang mit der Consideration. Wird ein Anbieter als preislich attraktiv wahrgenommen, steigt die Wahrscheinlichkeit einer Consideration deutlich; wird er als regional verankert empfunden, erhöht dies zusätzlich das Vertrauen und die Auswahlbereitschaft. Gleichzeitig zeigt sich ein leichter negativer Trend über die Jahre: Die Bevölkerung wird beim Einschätzen möglicher EVU insgesamt vorsichtiger – eine mögliche Folge der energiepolitischen Unsicherheit der vergangenen Jahre. 

Unzufriedenheit in der Westschweiz höher, Wechselbereitschaft in der Deutschschweiz höher 

Die Zufriedenheit mit dem eigenen EVU sank 2023 spürbar, erholte sich 2025 jedoch wieder leicht. Besonders auffällig ist die Westschweiz, wo der Anteil klar Unzufriedener dreimal so hoch ist wie in der Deutschschweiz. Dennoch ist ausgerechnet dort der Anteil der Personen mit sehr tiefem Wechselrisiko am höchsten. Dieses paradoxe Muster ist typisch für regulierte Märkte: Einstellungen ändern sich auch ohne Wahlfreiheit, aber sie übersetzen sich erst in Verhalten, wenn echte Alternativen bestehen. Die hypothetische Wechselbereitschaft steigt seit 2021 deutlich an und liegt 2025 bei rund 17 Prozent. Damit wäre heute jede sechste Person sicher wechselbereit, wenn sie könnte. 

Die Studie zeigt einen deutlichen Zusammenhang zwischen den erhobenen Faktoren Preis-Leistung und Regionalität und der Wahrscheinlichkeit, dass ein EVU in die engere Wahl kommt. Gleichzeitig unterscheiden sich die Regionen deutlich: Während in der Deutschschweiz die Wechselbereitschaft höher ist und aktives Bindungsmanagement gefragt ist, könnte in der Westschweiz im Fall einer Marktöffnung ein plötzlicher und starker Wechselimpuls entstehen. Insgesamt zeichnet sich ab, dass der Stromkunde von morgen informierter, anspruchsvoller und wählerischer sein wird als der Kunde von gestern. Wem er gehört, entscheidet sich nicht durch historische Strukturen, sondern durch Transparenz, Preisfairness und echte Nähe zur Bevölkerung. 

Weitere Informationen

(Visited 111 times, 1 visits today)

Weitere Artikel zum Thema