Rückblick Tag der Schweizer Qualität 2026: Qualität als Weg, nicht nur als Ziel
Am 21. April 2026 fand in Bern der Tag der Schweizer Qualität statt. Es ging um die Qualität für die Zukunft: nachhaltig, digital und zugleich menschlich. Davon handelten die Keynotes sowie die sechs Praxis-Workshops.

Der diesjährige Tag der Schweizer Qualität war in mehrfacher Hinsicht besonders. Erstmals fand er in der neuen BERNEXPO-Festhalle statt und stand zudem im Zeichen des 60-Jahr-Jubiläums der SAQ Swiss Association for Quality. Im Zentrum stand weniger der Blick zurück als die Frage, wohin sich das Qualitätsdenken entwickelt, wie es von künstlicher Intelligenz beeinflusst wird und welche Rolle der Mensch dabei spielt.
In ihrer Eröffnungsansprache betonte SAQ-Präsidentin Ursula Grunder, dass Qualität heute nicht mehr bei der Prüfung beginne, sondern bei den Erwartungen der Kunden. Qualität werde menschlicher, gerade wegen der Technologie. Daraus folge: Qualität ist das, was wir täglich entscheiden.
Service-Exzellenz in der Logistik und im Luxushotel
Die verschiedenen Keynotes beleuchteten Qualität aus Gegenwart und Zukunft und aus unterschiedlichen Perspektiven. Angela Klüe von HAVI Logistics, dem Logistik-Partner für eine grosse Fastfood-Kette in der Schweiz, gab Einblick in datenbasierte Logistikprozesse. Ziel sei es, Lieferungen präzise zu planen und die Restaurants künftig mit einem reinen Push-Service zu versorgen. Entscheidend seien zudem bei kontinuierlichen Verbesserungsmassnahmen nicht Kennzahlen, sondern die genaue Betrachtung der Prozesse.

Chris K. Franzen vom Bürgenstock Resort sprach mit Moderatorin Andrea Vetsch über Service-Exzellenz in der Hotellerie. Qualität bedeute dort sowohl gute Infrastruktur als auch exzellenten Service. Dafür müsse man die Gäste und ihre Vorlieben kennen und das Personal gezielt schulen. Ebenso wichtig sei eine klare und konsequente Führung – auch gegenüber Gästen. «Wir erlauben uns auch mal, Gäste, die sich gegenüber unseren Angestellten nicht mit Anstand benehmen, rauszuschmeissen», stellte Chris K. Franzen klar.
Digitalisierte Qualität in der Industrie
Remo Gander von der Bossard Group zeigte, wie digitalisierte Qualität in der Industrie funktioniert. Smart Factory ist dabei ein wichtiges Stichwort. Dieses Thema wird bei Bossard über die Total Cost of Ownership (TCO) angegangen, denn von dort gehe die grösste Hebelwirkung aus, so Remo Gander. Konkrete Lösungen, um diese Hebelwirkung ausnutzen, bestehen etwa in der externen Logistik (z.B. «Smart Bin», also Behältnisse für Bauteile, welche ab einem bestimmten Füllstand automatisch Bestellungen auslösen), in der Intralogistik durch Anwendung von Kanban-Methoden sowie in der Montage, wo Kamerasysteme die Prozesse unterstützen. Solche kamerabasierten Lösungen stellt das Unternehmen Sentinus her. Dessen Co-Founder & Executive Lead Jonas Conrad beschrieb diesen in seinem Kurzreferat als Digitalisierung des Vier-Augen-Prinzips. Es geht also darum, Bild- und Prozessdaten in verwertbare Erkenntnisse umzuwandeln, um eine effiziente und qualitativ hochwertige Produktion zu ermöglichen. Die Bildverarbeitung dieses Systems erfolgt direkt auf dem Shopfloor und benötigt keine Cloud. Und mit Hilfe von digitalen Zwillingen können eigene Vision-Modelle trainiert werden.
KI und die Ethik: Noch viele ungelöste Fragen
Peter G. Kirchschläger von der Universität Luzern lenkte den Blick auf die Risiken von KI. Er warnte vor sinkenden kognitiven Fähigkeiten durch exzessive Nutzung, vor dem hohen Ressourcenverbrauch sowie vor manipulativer Datennutzung. Auch kritisierte er die zu wenig griffigen Regulierungen, welche die Ahndung von missbräuchlichen Deepfakes nahezu unmöglich machen. Generative KI müsse möglich sein, ohne Menschenrechte zu verletzen. Deshalb propagiert Kirchschläger die Schaffung einer Internationalen Agentur für datenbasierte Systeme (IDA) bei der UNO nach dem Modell der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA).
Andreas Grünert vom BACS machte deutlich, dass Cybersicherheit ein zentraler Qualitätsfaktor ist. Er empfahl die Einführung von Sicherheits- und Resilienzverfahren, die Durchsetzung allgemeiner Grundschutzmassnahmen sowie Transparenz gegenüber Lieferanten und Kunden, insbesondere bei Vorfällen.

Die «Ministerin für Glück»
Einen optimistischen Ausklang fand der Tag der Schweizer Qualität mit dem Schlussreferat von Gina Schöler. Sie ist Gründerin des «Ministeriums für Glück und Wohlbefinden» und inspiriert europaweit zu mehr Zufriedenheit im Alltag und Beruf. Sie lobte die Schweiz als glückliches Land. Doch eine kleine Spontan-Umfrage im Publikum zeigte, dass Vielen die aktuelle Weltlage Sorge bereitet. In diesem Zusammenhang gab Gina Schöler folgendes Zitat auf den Weg: «Je dunkler es draussen wird, desto heller müssen wir scheinen». Dass dies nicht immer ganz einfach ist, zeigte sie anhand einer Taschenlampe: Ohne Batterie kann auch sie nicht für notwendige Helligkeit sorgen. Eine zentrale Botschaft, die die Teilnehmenden aus Gina Schölers Referat mitnehmen konnten, war: Weniger den Fokus auf das Negative richten, sondern auf die vielen guten Nachrichten, die es trotz allem immer noch gibt. Und damit liess sich das Tagungsthema passend abrunden: Qualität für die Zukunft ist nachhaltig, digital – und eben auch menschlich.
Weitere Informationen: www.tsq.swiss



